DFG project G:(GEPRIS)583692659

Zur sozialen Herstellung und Nutzung von Video in der empirischen Sozialforschung

CoordinatorProfessorin Dr. Ulrike T. Kissmann
Grant period2026 -
Funding bodyDeutsche Forschungsgemeinschaft
 DFG
IdentifierG:(GEPRIS)583692659

Note: Durch die technische Entwicklung von sozialen Medien, Videoüberwachungskameras oder Körperkameras einerseits und die Relevanz von künstlicher Intelligenz andererseits steigt gegenwärtig und auch zukünftig die Vielfalt sowie Verfügbarkeit von Videodaten. Trotz einzelner wissenschaftssoziologischer Reflexionen zum empirischen Gebrauch von Videodaten als Forschungsdaten liegt bislang kein gezielter methodologischer Vergleich vor, der das bestehende Schisma in qualitativ-quantitativ kritisch beleuchtet. Das anvisierte wissenschaftliche Netzwerk wird im Dialog mit methodenpluralen Forscher*innen die methodologischen und epistemologischen Annahmen sichten und vergleichen, die zur Herstellung und Nutzung von Video führen. Im gemeinsamen Austausch werden die Wahrheits- und Geltungsansprüche sowie Qualitätskriterien reflektiert, die sowohl bei der Erhebung als auch der weiteren Verarbeitung sowie Analyse der Daten relevant sind. Das Netzwerk verortet sich einerseits in dem Ansatz von MMMR, also von Mixed Methods and Multi-Method Social Research. Damit wird ein breites Verständnis von Methoden-Integration zugrunde gelegt, das auch die Verknüpfung von Methoden innerhalb von qualitativen oder quantitativen Ansätzen beinhaltet. Andererseits nutzt das Netzwerk die Perspektiven der Science and Technology Studies und betrachtet die Herstellung und Nutzung von Video nicht unter Verwendung eines Konzepts von Wissenschaft als science-as-made, sondern im Sinne von science-in-the-making wie erstmalig in den Laborstudien von Bruno Latour und Steve Woolgar. Die Zuordnung in quantitativ versus qualitativ wird in der Hinsicht kritisch hinterfragt, als dass sichtbar gemacht wird, wie quantitative und qualitative Daten erzeugt und welche methodologischen Kriterien dafür geltend gemacht werden. Schließlich werden diese Perspektiven durch die Critical Data Studies ergänzt, weil gegenwärtig viele Videodaten als Big Video Data vorliegen. Das anvisierte Netzwerk wird im gemeinsamen Dialog sondieren, ob und inwieweit (audio-)visuelle Daten Phänomene nicht nur repräsentieren, sondern stattdessen Wissen transformieren und dadurch Neues hervorbringen. Dazu gehört auch die Frage, was den Umgang mit Forschungsdaten von natürlichen Situationen (im Sinne von Garfinkel) ausmacht und wie sich dieser möglich-erweise durch Deepfakes von Videodaten verändert. Um diese Ziele einzulösen, wird erstens jährlich ein Workshop mit eingeladenen nationalen und internationalen Vortragenden und abschließend eine internationale Tagung für methodenplurale Forscher*innen im Bereich Video veranstaltet. Zweitens werden gemeinsame Forschungsprojekte zwischen den Netzwerkmitgliedern initiiert, die entweder auf die Meta-Reflexion oder auch die Anwendung von integrierten Ansätzen mit Video fokussieren. Drittens leisten die Ergebnisse des Netzwerks einen Beitrag zur Optimierung der Speicher- und Nachnutzungsmöglichkeiten für Video bestehender Repositorien.
   

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 Datensatz erzeugt am 2026-06-24, letzte Änderung am 2026-06-24



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