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| Book/Report | FZJ-2017-08399 |
1974
Kernforschungsanlage Jülich GmbH, Zentralbiliothek, Verlag
Jülich
Please use a persistent id in citations: http://hdl.handle.net/2128/16229
Report No.: Juel-1051-SE
Abstract: 1. Da wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung auf der Nutzung der verfügbaren Energiequellen basiert, ist es eine fundamentale Aufgabe des Staates, Energieforschung zu betreiben mit dem Ziel, Voraussetzungen für ein sicheres, kostengünstiges umwelt- und verbraucherfreundliches Energieangebot zu schaffen. 2. Dieses Ziel läßt sich unter Schonung der Umwelt z.B. über die folgenden fünf Teilziele erreichen : O Rationelle Nutzung der verfügbaren Energien O Umweltfreundliche Energieumwandlung und -nutzung O Erzeugung sicherer, kostengünstiger und verbrauchergerechter Endenergien O Langfristige Sicherstellung notwendiger Primärenergiequellen O Anwendungsorientierte Grundlagenforschung für potentielle back-up Lösungen 3. Den forschungspolitischen Teilzielen wurden aufgrund einer Matrixanalyse aller charakteristischen Teilschritte insgesamt 44 Aktivitätsbündel zugeordnet, die aus Gründen der Handhabbarkeit teils technisch, teils anwendungsorientiert formuliert sind. Diese AktivitätsbundeI sind gemäß dem Querschnittscharakter der Energieforschung ressortübergreifend dargestellt. 4. Als Kurz-Überblick über die Beiträge der verschiedenen "öffentlichen Hände" zu diesem Querschnittsbereich wurden die Aufwendungen der Bundes- und Landesministerien für Energieforschung in gleichlautenden Anforderungsschreiben des BMFT erbeten. Mit 21 Antworten dürften alle potentiellen Förderstellen erfaßt worden sein. 5. Die energieorientierten Aufwendungen der institutionell geförderten Einrichtungen sowie der Forschungsorganisationen wurden getrennt erfaßt und in das Zielsystem Energieforschung eingetragen. 6. Die so erfaßten Gesamtaufwendungen der "öffentlichen Hände" für Energieforschung betrugen in den Jahren 1971 . . . 73 etwa DM 2.25 Mrd., davon 2.02 Mrd., also 90% über das heutige BMFT, hiervon wiederum DM 700 Mio, also etwa ein Drittel als Bundesanteil der Großforschungseinrichtungen. 7. Die entsprechenden Zahlen lauten für 1974 : Insgesamt etwa DM 800 Mio, davon DM 600 Mio für BMFT, davon DM 285 Mio Bundesantei I der Großforschungseinrichtungen. Nimmt man die letztgenannte als die relativ sicherste Zahl, und extrapoliert gemäß Ziffer 6 auf die Gesamtsumme, so ergeben sich etwa DM 900 Mio an öffentlichen Mitteln. 8. Die analogen Daten des vierten Atomprogramms und Rahmenprogramms Energieforschung lauten jedoch : Öffentliche Mittel insgesamt 1974 DM 1.09 Mrd, 1974. . . 76 DM 3.56 Mrd. Die Aufteilung zwischen BMFT und Ländern ist mit 9 î l vorgesehen. Weitere im Zielsystem Energieforschung zu veranschlagende Mittel können insbesondere für andere Bundes- und Länderressorts weitere 10 . . . 15% betragen, so daß sich das Verhältnis geringfügig zuungunsten des BMFT verschieben dürfte. 9. Das Kurzfristziel der Energieforschung, die Einsparung an Primärenergie durch bessere Nutzung der verschiedenen Energieträger insbesondere durch Wirkungsgraderhöhungen, Wärmekraft-Kopplung, Wärmeruckgewinnung und insbesondere durch Isolationsmaßnahmen am Bau, wird nach erheblichen energetischen Investitionen erst nach 10 bis 15 Jahren Einsparungen an Heizenergie ermöglichen. 10. Umweltschutz und rationelle Energienutzung sind überwiegend parallele, in seltenen Einzelfällen sich widersprechende Ziele. Hauptaugenmerk der Energieforschung Hegt auf Entschwefelung von Brennstoffen und Rauchgasen und insbesondere Schonung des natürlichen Wasserhaushalts als Träger eines exponentiell sich verteuerndem Rohstoffs. 11. Sichere, wirtschaftliche, verbrauchergerechte Endenergien werden zunehmendElektrizität, Gase, Wärme sein; Hauptlieferant sukzessive Kernenergie, teilweise über veredelte Kohle. Haupteinsatzgebiet bleibt die Raumheizung und Prozeßwärmeerzeugung. Ausführliche systemanalytische Studien müssen die Entscheidungskriterien und Entscheidungsexperimente als Voraussetzung kapitalaufwendiger prototypischer Entwicklungen liefern. 12. Kernspaltungsenergie ist auf erkennbare Sicht, d.h. bis weit ins nächste Jahrhundert hinein, die ausschlaggebende Primärenergiequelle der industrialisiertenWelt. Sicherheit des technologischen Systems gegen Leistungsexkursionen und Angriffe von außen, Sicherheit des Brennstoffkreislaufs gegen Versorgungsengpässe und radiologische Belastungen der Umwelt sowie vielseitige Nutzung der Systeme für die Erzeugung von Strom, Wärme und verschiedene Sekundärenergieträger und Rohstoffe aus der Veredlung von Kohle sowie Schonung der Brennstoffreserven sind die Forschungsschwerpunkte und Beurteilungskriterien des Potentials dieser Quelle. 13. Zur Minderung des Risikos unerwarteter Rückschläge sowie im Hinblick auf mögliche back-up Lösungen sind anwendungsorientierte Grundlagenforschungmöglichst im internationalen Rahmen weiterhin zu fördern. 14. Einbettung der erforderlichen Energiesysteme in die Soziosphäre Energieverhalten, Energiebewußtsein, Risikobereitschaft) und die Ökosphäre sowie die langfristigen Auswirkungen auf das Klima sind wesentliche Probleme der nächsten Jahre. Der Ersatz gedankenloser, raubbauorientierter Verbrennung fossiler Rohstoffe durch überlegte Nutzung verfügbarer Energien unter Schonung der Umwelt ist aus nationalen wie globalen Gründen unumgänglich und technisch möglich. 15. Der Schlüssel zur Verhinderung einer Energiekrise aus Mangel an verfügbaren Primärenergien mit allen Folgen für Währungen , Weltwirtschaft und Welternährung liegt bei den Industrienationen. Die Annahme der Herausforderung zur Erschließung und Anwendung des in Industrienationen vorhandenen know how erfordert jedoch die Zusammenfassung aller fachlichen, politischen und gesellschaftlichen Kräfte. 16. Hierfür sind eine Reihe von Management-Problemen zu lösen, die auf verstärkte Kooperation und Koordination der Zuwendungsgeber sowie Delegation von Programmdurchführungen an F & E - Einrichtungen abzielen sollten.
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